Die Geburtsstunde politischer Ideologien war die Französische Revolution
10.01.2010Wobei es natürlich nicht um eine exakte Jahreszahl geht. In Beantwortung der gestern gestellten Frage nach den Ursprüngen POLITISCHER Ideologien nur kurz: Seriöse Wissenschaftler legen die Geburt politischer Ideologien, so wie wir sie heute kennen, schon lange ziemlich widerspruchslos auf die Zeit der Aufklärung und der Französischen Revolution. Für rote Wissenschaftler - schon der Name ist ein Widerspruch - ist natürlich alles Ideologie außer dem Kommunismus selbst. Wir können deren Ansichten deshalb vernachlässigen.
Wenn in den alten ägyptischen Reichen, die Tausende von Jahren dauerten, der Pharao ein Grabmal baute, bezeichnet man das sinnvollerweise nicht als Ideologie, genausowenig wie die Selbstverständlichkeit, daß die vergangenen Reiche und ihre Herrscher sich vergrößern wollten, wenn die Chance bestand. Auch wenn im Mittelalter ein König starb und der nächste Erbe nachfolgte, war dies der Normalfall. Der Neue mußte kein Flugblatt drucken und beim Volk verteilen lassen, um die Leute von sich zu überzeugen und regieren zu können. Man kann in solchen Gesellschaften deshalb keine politischen Ideologien heutiger Prägung festmachen wollen.
Das änderte sich aber mit der Epoche der Aufklärung und der Revolution 1789, die als Ersatz der allgemein als Aberglauben gesehenen Religion ebenfalls einen missionarischen und transnationalen Charakter annahm und die ganze Menschheit mit POLITISCHEN Ideologien beglücken wollte. Und es dauerte dann nicht lange, bis sich Richtungen entwickelten, die heute noch aktuell sind. Man kann das sogar der Einfachheit halber in Wiki nachlesen:
Wichtige politische Ideologien, die sich in Europa bereits im 19. Jahrhundert in Folge der Französischen Revolution und dem Aufkommen der sozialen Frage entwickelten und bis heute bestimmende Hauptströmungen darstellen, sind der Liberalismus, der Konservatismus und der Sozialismus/Kommunismus. Weitere wichtige politische Ideologien sind etwa der Nationalismus, der Faschismus und der Nationalsozialismus…
Die seit dem 17. Jahrhundert in Intellektuellenkreisen diskutierten liberalen und demokratischen Ideen führten zu einer sich zeitgleich entwickelnden konservativen Gegenposition. Durch und nach der Französischen Revolution änderte sich die politische Debatte tiefgreifend. Die ganze Bevölkerung (Alphabetisierungsgrad war bereits sehr hoch) wurde politisiert…
Die Zahl der Bücher und Abhandlungen zum Thema ist beträchtlich. Hier ein interessantes Werk aus Rostock!


10.01.2010 um 22:06
Nicht zu vergessen die jüngste Tagesideologie: “Christen und Moslems sind Brüder” (Schäuble).
Was aber ist mit Leuten wie mir, die nicht Schäubles Bruder sind?
Küssen ist seit dem Newark-Terror-Alarm ein Verbrechen.
Dagegen ist es universelles Menschenrecht immer wieder neben einem verhinderten Bomber sitzen zu müssen.
Auch eine Ideologie: die “verräterischen” Chinesen (weil nicht mehr kommunistisch genug) dürfen zur Strafe keinen Kühlschrank und kein Auto haben - natürlich nur um das Weltklima zu retten in dem einzig und allein Sigmar Gabriel solo fliegen darf dass das verfettete Herz lacht.
10.01.2010 um 22:16
das Faschistoide der französischen Revolution zeigt sich für mich in den monumentalen Entwürfen der utopischen Revolutionsarchitektur: abstrakte Gigantomanien, wie das Kugelhaus von Boullèe zeugen von der Erfindung der kommenden maschinellen Vernichtung.
Das französische Kugelhaus illustrierte den Geist des Holocaust: er war eine Erfindung der Jakobiner. Logistisch ausgereifte Massenhinrichtungen im Namen der Aufklärung wie in der Vendée sind nicht jedermanns Sache. Jedenfalls verliert heute kaum jemand noch ein Wort über die ersten Opfer der LINKEN.
Wikipedia (erstaunlich): http://de.wikipedia.org/wiki/Terrorherrschaft
10.01.2010 um 22:18
Schade, in dem verlinkten Buchtext gibt es keine Zitatfunktion.
10.01.2010 um 22:46
@ Stalker
Für die Franzosen, die ja ihren ganzen Nationalstolz und ihre Staatsräson auf diesen Ausbruch von Haß und Terror aufgebaut haben, ist das ein echtes Dilemma.
Wie kommt man da ohne Gesichtsverlust wieder raus?
10.01.2010 um 22:56
Otto, für unsere deutschen Linken ist es ebenfalls ein echtes Dilemma. Gleichheit, Brüderlichkeit, usw münden in Menschenvernichtungstechniken. Das ist bitter, schwer zu verdauen und versaut garantiert jedes Gespräch mit einem ihrer Vertreter. Versuch es mal…
10.01.2010 um 22:58
Welches Kugelhaus denn? Etwa der Newton-Kenotaph? Und diese Entwürfe haben was mit dem Holocaust zu tun?
Gut, das erinnert alles ein bisschen an Albert Speer, bekanntlich waren die Faschisten in Fragen der Ästhetik keine Kostverächter:
http://www.vitruvio.ch/arc/neoclassical/neoclassico_f/citygate2.php (Triumphbogen!)
http://www.vitruvio.ch/arc/neoclassical/neoclassico_f/newtonscenotaph.php (Halle des Volkes!)
Aber ich möchte sowieso noch einmal auf meinen Tipp verweisen, der den Ursprung der Ideologien mit dem Aufkommen der Demokratien in Verbindung bringen wollte, ja, ja! xD
10.01.2010 um 23:06
Vielleicht besser “Geburtsstunde moderner (!) politischer Ideologie”?
Die Politideologie Islam ist schon fast 1400 Jahre alt. Ideologie ist, wenn sich die Tatsachen nach der Wahrheit zu richten haben.
10.01.2010 um 23:11
Nicht, daß was gegen die Ästhetik des Kugelhauses einzuwenden wäre. Genausowenig wie gegenüber Germania von A.Speer. Die Entwürfe sind durchgestanden, absolut und “endgültig”. Sie zeugen eben vom Geist des Faschismus, genau wie die russischen Wohnmaschienen von Le Corbusier und der Palast von Chauchescu.
Und das Kugelhaus war meiner Meinung der erste sichtbare Entwurf jenseits einer kulturellen “Anziehungskraft”. Es steht für das Verlassen eines kulturellen Konsens.
Aufklärung ist der Beginn von Größenwahn, Ideologie und Faschismus.
10.01.2010 um 23:26
Oi, ich denke, dass Ideologien wesentlich aelter sind, auch wenn sie vielleicht nicht dort so benannt wurden. Ein Feuerstein wurde zu Zeiten der Steinzeitindianer vermutlich auch noch nicht “Feuerstein” benannt. Trotzdem war er da und wurde benutzt.
Deshalb ist es eben so wichtig, dass man diesen Begriff Ideologie zuerst hieb- und stichfest definiert. Der Frage: Seit wann gibt es Ideologien, muesste also vorausgehen, was Ideologien ueberhaupt sind und wie man sie in der Realitaet dingfest macht.
Ein Beispiel: Bei den alten Griechen gab es Orakel. Zu diesen Orakeln kamen ganz viele Menschen, um sich Rat zu holen. Auch das ist zumindest eine Form von Ideologie, denn den Orakeln wurde ja gefolgt, ohne dass Religion im Spiel war.
Nach ein bischen Nachdenken mache ich das Aufkommen von Ideologie auch nicht mehr am Demos fest. Eher an politischen Kriegen. Ein politischer Krieg bedingt eine Ideologie, denn es ist unsinnig, einen politischen Krieg ohne ideologische Ziele zu fuehren. Wann also gab es den ersten politischen Krieg, wo ein Volk bekriegt wurde, weil man eine politische Vorstellung durchsetzen wollte? Das kann auch ein Religionskrieg gewesen sein, denn Religion ist fuer mich eine Ummantelung von Ideologie, wenn, wie bspw. beim Islam, es gar nicht um einen spirituellen oder Totenkult geht, sondern mehr um die Eroberung der ganzen Welt und Unterdrueckung aller anderen politischen oder religioesen Gemeinschaften. *barf* liegt hier afaik richtig, wobei auch die Roemer schon Kriege fuehrten, obwohl das sicher nicht originaer auf zu wenig Raum der Voelker fusste. Es waren Eroberungskriege zur Ausbreitung des roemischen Imperiums mit einer klaren politischen Strategie.
10.01.2010 um 23:38
Ich denke, dass gerade im Deutschen Sprachraum Hegel mit seiner Geschichtsphilosophie einen grossen Einfluss auf das ideologische Denken hatte.
Ich habe zum Thema politische Ideologien vor Ewigkeiten einen Text geschrieben, der etwas zu diesem Thread passt. Es geht dabei aber eher um die Schwierigkeit, politische Strömungen zu klassifizieren: http://dieposaunenjerichos.wordpress.com/
11.01.2010 um 6:41
Johann Wiegand meint:
10.01.2010 um 22:18
——–
Ja das ist bei Google books mit Absicht so! Die wollen nicht, dass du kopierst!
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Schlabberlatz meint:
10.01.2010 um 23:26 Editieren
———–
Ja, das ist ein Blog und kein Buch. Hier werden Sachen angerissen und aus. Ein griechisches Orakel wird von niemand als politische Ideologie angeguckt. Zweitens. Religionen zählen nur insofern zu POLITISCHEN Ideologien als das Atheisten behaupten, und in der Wissenschaft werden sie so gesehen, wenn sie primär diesseitige Ziele anstreben. Wenn also ein Sektenführer sagt, komm wir gegen auf den Berg und warten auf den Jüngsten Tag, ist das keine politische Ideologie!
11.01.2010 um 6:42
Der Begriff der Ideologie dient bei uns vor allem zur Verächtlichmachung des politischen Gegners. An sich ist es aber nicht mehr, als eben eine politische Ideenlehre. Etwas derartiges nicht zu haben ist im politischen Wettbewerb im Grunde ein Armutszeugnis, weil es zeigt, daß man überhaupt keinen Plan hat. Außerdem wird man sich ohne Ideenlehre schwer tun, eine größere Anzahl von Mitstreitern zu einer schlagkräftigen Gruppe zu vereinen. Irgendetwas braucht man also immer, wenn man Politik macht. Wichtig wurde das natürlich besonders nach der frz. Revolution, weil Politik da eine neue Qualität bekam: Im Ständestaat hatte Politik einen völlig anderen Charakter, weil man sich ja schon des gemeinsamen Standesinteresses wegen einig war.
11.01.2010 um 6:44
@Otto
“Für die Franzosen, die ja ihren ganzen Nationalstolz und ihre Staatsräson auf diesen Ausbruch von Haß und Terror aufgebaut haben, ist das ein echtes Dilemma.
Wie kommt man da ohne Gesichtsverlust wieder raus?”
Das ist schlicht Blödsinn, auf die Revolution beruft sich nur die Linke.
11.01.2010 um 6:54
Wenn die Französische Revolution die Erste Ideologie War dann war sie aber auch ein Beweiß dafür zu was für Massenmord und Menschenverachtung Ideologien fähig sind!
Und das sie um keinen Deut besser eher noch schlimmer war wie der davor herschende Feudalstaat
Das Wortprotokoll der 4. Kölner Ratssitzung liegt vor!Leseempfehlung !Jörg Uckermann läßt es richtig krachen!
vor allem in den Themen Minarettverbot,Gewalt-prävention an Schulen!!!
Wahl eines Stadtkämmerers (inzwischen zurücgetreten)
Rat Köln 04.S. 20091217
Gruß Andre
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Patriotisch,Antiislamisch,Proisraelisch
11.01.2010 um 7:44
“Christen und Moslems sind Brüder” (Schäuble). Er hat recht: Nur Atheisten haben mit beiden nichts zu schaffen und stellen die Lösung dar.
11.01.2010 um 8:11
und Agnostiker?
11.01.2010 um 8:33
Claro, señor!
11.01.2010 um 8:54
Dazu fällt mir nur das ein:
http://unzeitgemaesse-betrachtungen.blogspot.com/2008/03/juan-donoso-corts-ein-blick-auf.html
11.01.2010 um 10:05
@ Tanja
Mit verlaub Tanja, dein Kommentar
“Tanja Krienen meint:
11.01.2010 um 7:44
“Christen und Moslems sind Brüder” (Schäuble). Er hat recht: Nur Atheisten haben mit beiden nichts zu schaffen und stellen die Lösung dar.”
ist an Dummheit kaum zu überbieten! Es ist gerade hier in diesem Blog doch schon oft genug dargelegt worden das genau dem nicht so ist. Schäuble hat von Christentum und Islam genausoviel Ahnung wie eine Kuh vom fliegen. Das du dir diese Aussage zu eigen machst, zeigt das du dich auf dem gleichen Nivaue wie all die Gutmenschen befindest.
11.01.2010 um 10:33
Religionen, Tomcat, haben eine ähnliche Struktur, ihre “Bücher” stammen aus alten, überkommenen Lebenswelten. Schon der “Glaube” ist etwas subjektiv und willkürlich Festgesetztes. Das verbindet. Die Korrespondenz der gegenseitigen Verständigungen sind deshalb nicht zufällig.
11.01.2010 um 10:54
@Susato
Ja, ja - so strohdoof wie es die HeurigInnen gern hätten. waren unsere Altvorderen nicht.
Wenn man sich allein schon die Überlegungen eines Seneca zum Thema “Haben oder Gehabt werden” zu Gemüte führt, kommt einem alles, das später (und erst recht von modernen Eintagsfliegen) dazu vom Stapel gelassen wurde nur wie kalter Kaffee vor.
Dies nur als Beispiel für die verkannte Überlegenheit früherer Denker über die DummschwätzerInnen von heute.
11.01.2010 um 10:59
Ich habe vier Bände Seneca eine Armlänge von mir auf dem Schreibtisch stehen: Bei einer Legende von einer Jungfrauengeburt hätte er ausgerufen: Grimms Märchen sind nichts dagegen hoho!
11.01.2010 um 11:58
Nur vier? Die Referzenausgabe umfaßt fünf Bände, aber für Ihr Zwecke reichen wohl auch vier Bändchen aus dem Tosa- oder Weltbildverlag aus.
11.01.2010 um 12:15
@ Krienen
Zitat: “Religionen, Tomcat, haben eine ähnliche Struktur, ihre “Bücher” stammen aus alten, überkommenen Lebenswelten.”
Der Satz ist richtig, aber Sie müssen Ihn schon selbst verstehen.
Wenn Sie das Deutsche beherrschten, fiele Ihnen auf, dass nur Sie selbst in das Wort “überkommen” (was soviel bedeutet wie althergebracht) eine negative Wertung hineinlegen.
11.01.2010 um 12:35
Bohemund - Jo, “nur” vier und es scheint ein großes Makel zu sein, dass ich mir nicht alle Bücher ledergebunden kaufe. Meine Sammlung ist übrigens von Meiner.
Druide. Ich bin wirklich eher nostalgisch gesinnt, aber die Zeiten Mohammed oder Jesus, halte ich nun doch in soweit überholt, als es in einer Gedankenwelt der beseelten Natur und des Übersinnlichen allzu sehr verhaftet sind. Letztlich kommt dieser ganze Kram “Rettet die Schöpfung” daher und wir werden das nicht überwinden, wenn wir nicht verstandesgemäß handeln. Das heißt ja nicht, dass wir aggressiv antireligiös vorgehen oder die Dinge nicht aus der Zeit heraus verstehen aber sie deshalb auch nicht überbewertet sollten. Wie sagte Nietzsche sinngemäß? Er habe für alles Verständnis was die Vergangenheit angeht, aber heutige Irrtümer behandle er unnachsichtig. Heute ist es unständig die Wahrheit zu verleugnen.
11.01.2010 um 13:25
Frau Krienen,
wenn Sie ihren werten Verstand wirklich benutzen wollen, dann werden Sie an der Frage nach dem letzten Grund nicht vorbeikommen. Und diese ist durch die sogenannte Aufklärung eher vernebelt, denn erhellt worden.
Wer den sittlichen Kern des christlichen Bekenntnisses leugnet, hat nichts verstanden. Religion/Glauben und Denken ergänzen sich bei wohlerzogenen Menschen gegenseitig und schließen sich nicht zwangsläufig aus.
11.01.2010 um 14:01
@T.K.:
“Bei einer Legende von einer Jungfrauengeburt hätte er ausgerufen: Grimms Märchen sind nichts dagegen hoho!”:
Schon wieder als kantianischer Bettvorleger gelandet. Das ist bitter.
Und ausgerechnet Seneca wird in Geiselhaft genommen. Warum nicht Reimarus ?
Legende also. Wie das Dyonysoskind oder Romulus ? Sich in eine Schlange verwandeln, fremde Ehefrauen vögeln und dabei Alexander den Großen zeugen ?
“Letztlich kommt dieser ganze Kram “Rettet die Schöpfung” daher”:
Nein, der kommt nicht überhaupt nicht daher. Heidnischer als dieser ganze Ökokram geht es gar nicht. Dort lauert nämlich Ihr sogenanntes “Übersinnliches” und die “beseelte Natur”. Das ist auch ein Kreuz dieser Zeit, daß die größten Apologeten der Naturwissenschaft entweder gar keine sind oder dem Szientismus anheimfallen.
11.01.2010 um 14:08
Druide - Diese Frage ist wohl nicht zu beantworten, aber deshalb muss man doch nicht in eine Zauberwelt flüchten! Müssen Sie den letzten Grund kennen? Wozu? Und: Wer sagt, dass es ihn gibt? Ich halte den ganzen Plot des Lebens für ein Nichts (nach Schopenhauer) und sehe im existierenden Chaos keinen Plan einer überirdischen Existenz (die ich dann verfluchen müsste). Ich befinde mich da in bester Gesellschaft.
Kirschbaum: Der Ökokram ist ein direkter Ableger der herkömmlichen Religion. Es ist kein Zufall, dass in diesem Milieu das evangelisch Moment so sehr dominiert.
11.01.2010 um 14:39
Tanja Krienen meint:
11.01.2010 um 14:08
Al Gore, der alte Bible-Thumper, ich bitte Sie.
Bei Julian Huxley und Ernst Haeckel werden Sie fündig.
Und wenn Christen ihres Glaubens verlustig gehen, nehmen sie als nützliche Idioten das Messianische natürlich in ihren nächsten Kult mit. So wie Sie das hier auch tun. Das ist beste europäische Tradition.
Und was meinen Sie, warum Europa mit Professor for the public understanding of science Dawkins dem Klimakult huldigt und Obama drüben weitestgehend auf Granit beisst ? Wegen der Bible-Thumpers.
11.01.2010 um 15:03
Ja, diese zahllosen, verbohrten, freudlosen evangelischen Antje-Vollmer-Gesichter kenne ich noch aus der Grünen-Gründerphase.
La Tristesse!
11.01.2010 um 15:15
Ideologie ist das bei der Zerstörung der Religion entstehende Abfallprodukt, das als Ersatz für die zerstörte oder verbannte Religion dient.
Religion verhält sich zu Ideologie so wie Nahrungsmittel zu Drogen. (Drogen sind ein Nahrungsmittelersatz. Der Drogenabhängige „hungert“ nach seiner Droge und ist bereit, lieber auf Lebensmittel zu verzichten, wenn er nur die Droge erhält.)
Ideologie entsteht, wenn Völker ihre Bindung zu Gott kündigen. Wenn sie nicht mehr Gott als den obersten Gesetzgeber, mithin als den Schöpfer der Welt, anerkennen, sondern an seiner Statt die „Idee“ setzen, den freiwillig gottverlassenen nur-menschlichen Geist.
Wenn Ideologie herrscht, gibt es immer gleich mehrere davon, die miteinander im Widerstreit liegen und sich bis aufs Messer bekämpfen. Die jeweils vorherrschende Ideologie unterdrückt gnadenlos alle anderen Ideologien. Denn nicht der wahre Geist entscheidet im Ideologischen, sondern allein die Gewalt, das einzige was übrig bleibt, wenn die Bindung zu Gott gekündigt worden ist.
Ideologien gründen auf Nichts, sie sind die Produkte eines gelebten Nihilismus. Da sie auf nichts gründen, können sie sich nur mit Gewalt halten und stürzen in sich zusammen, wenn dieser sinnlose Kraftakt nicht mehr geleistet werden kann. Dann tritt eine andere Ideologie an deren Statt, die aber rasch dasselbe Schicksal ereilt.
Da Ideologien auf Nichts gründen, unterscheiden sie sich auch in nichts. Sie unterscheiden sich nur im Maß der Gewalt, die sie aufbringen können, um sich für einen erbärmlichen Zeitraum über Wasser und die anderen wiederstreitenden Ideologien unter Wasser halten zu können. Sich mit Ideologien geistig auseindanderzusetzen bringt daher überhaupt nichts. Worinnen kein Geist waltet, mit dem kann man sich geistig nicht auseinandersetzen. Man lese nur die ideologischen Ergüsse, den die reovlutionären Linken in den 60ern und 70ern massenhaft produziert haben; man versteht heute kaum ein Wort mehr von dem, was damals dieses revolutionären Gemüter erhitzte. Und auch damals gab es nichts zu verstehen, denn es geht ja nie um Verstehen, es geht im Ideologischen immer nur um die Macht und um die Gewalt zur Erlangung und Sicherung der Macht.
11.01.2010 um 15:18
Kirschbaum. In der Tat, das ist ein Widerspruch den ich eingestehen muss. Aber MEIN WORT ist es doch seit langer Zeit, dass die Linke keine Linke mehr ist, sondern ein Haufen Dummköpfe, weil sie jede analytische Kraft verloren hat (nicht ganz, es sind versprengte Linke, die hier und da noch Vernünftiges von sich geben). Aber Fakt ist doch: Nie waren mehr Religiöse im Bundestag und: DIE POLITIK IST DANACH! Von Nahles bis Göring-Eckart gegen sie doch auf dem Kirchentag ein und leider auch wieder aus.
11.01.2010 um 16:01
Tanja Krienen meint:
11.01.2010 um 15:18
Stimmt. Die zivilreligiöse Aufladung von Politik nimmt hierzulande furchterregende Züge an. Die staatliche Rechtsordnung wird dabei zunehmend zu einer tyrannischen Wertegemeinschaft umgedacht (das gilt leider auch für viele islamkritische Abendlandverteidiger). Laschet, Merkel, Schäuble, Nahles, Göring-Eckhart etc. nuckeln dabei an der leeren Flasche ihrer Kirchensozialisation. Welcher Atheist auch immer gegen diese politreligiösen Monster in den Ring steigt, hat meine volle Unterstützung. Auch für die religiöse Kultur hierzulande ist der Schaden, den diese Leute anrichten, noch nicht abzusehen, aber er wird verheerend sein.
Corax meint:
11.01.2010 um 15:15
Als Letzter gestartet und trotzdem den Pokal geschnappt. Sehr elegant !
11.01.2010 um 21:04
# kewil meint:
“Ja, das ist ein Blog und kein Buch.”
Ich hatte nichts Gegenteiliges im Sinn.
“Hier werden Sachen angerissen und aus.”
Ja? Und?
“Ein griechisches Orakel wird von niemand als politische Ideologie angeguckt.”
Heute sicher nicht. Aber damals? Wer will das so genau wissen? Die linke Wikipedia?
“Zweitens. Religionen zählen nur insofern zu POLITISCHEN Ideologien als das Atheisten behaupten, und in der Wissenschaft werden sie so gesehen, wenn sie primär diesseitige Ziele anstreben. Wenn also ein Sektenführer sagt, komm wir gegen auf den Berg und warten auf den Jüngsten Tag, ist das keine politische Ideologie!”
Okay, das war auch nur so ein Hinweis. Aber wie siehts damit aus:
Das „Römische Reich“ mit seinen vielen unterschiedlichen Völkern, Sprachen und Religionen war Staat, Gesellschaftsform und nicht zuletzt eine universelle Idee vom „imperium sine fine“, vom „grenzenloses Reich“.
Eine universelle Idee eines grenzenlosen Reiches klingt fuer mich schon ziemlich nach einer Ideologie. Auch wenn man das damals nicht so bezeichnet hat. Und das Imperium Romanum war sicher alles andere als eine Religion.
Zudem finde ich das hier sehr interessant:
“Die Revolutionszeit und die Bürgerkriege
Die Republik geriet seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in eine innenpolitische Krise, die schließlich in die Epoche der Bürgerkriege mündete und mit dem Untergang der bisherigen Staatsform enden sollte. Hintergrund war zunächst der Ruf nach Reformen, vor allem im Agrarbereich.”
Alles ebenfalls aus Wikipedia (roemisches Reich) entlehnt. Wenn es zu dieser Zeit Republiken gab, die durch Buergerkriege destabilisiert wurden und es einen Ruf nach Reformen gab, dann hoert sich das prinzipiell nicht anders als die franzosische Revolution an.
Aber ich wollte ja sowieso auf etwas anderes hinaus: Dass naemlich Ideologien mit politischen Kriegen meiner Meinung nach entstanden sind. Bis zum Beweis des Gegenteils vertrau ich da lieber auf meinen Verstand als auf Wikipedia.