Friedrich Schlegel zu arabischen Übersetzungen

24.01.2010

Friedrich Schlegel (1772 - 1829) gehört bis heute zu unseren bedeutendsten Denkern. 1797 gründete er zusammen mit seinem Bruder August Wilhelm Schlegel die Zeitschrift Athenäum, ein Organ der Frühromantiker (Schleiermacher, Novalis, Caroline Schlegel). Hier ein denkwürdiger Ausschnitt zur Kultur der Araber:

Die Araber sind eine höchst polemische Natur, die Annihilanten unter den Nationen. Ihre Liebhaberei, die Originale zu vertilgen, oder wegzuwerfen, wenn die Übersetzung fertig war, charakterisiert den Geist ihrer Philosophie. Eben darum waren sie vielleicht unendlich kultivierter, aber bei aller Kultur rein barbarischer als die Europäer des Mittelalters. Barbarisch ist nämlich, was zugleich antiklassisch, und antiprogressiv ist. [229]

In der Tat haben die Araber die griechischen Klassiker nicht etwa in Bibliotheken gesammelt und aufgehoben, sondern das für sie Wichtige herausgefischt und die Urschriften dann weggeworfen. Daß wir heute noch altgriechische Werke von Homer bis Aristoteles erhalten haben, verdanken wir nicht den vielgerühmten Arabern des Mittelalters, sondern Juden und Christen in Persien und Byzanz. (Das Thema ist aber komplex und wird noch extra behandelt.) 

12 Antworten zu “Friedrich Schlegel zu arabischen Übersetzungen”

  1. Karl Eduard meint:

    Falls die Orginale auf Schweinehaut geschrieben waren, taten sie recht daran.

  2. prosemit meint:

    sondern das für sie Wichtige herausgefischt und die Urschriften dann weggeworfen.

    In der Tat ist so der Quran enstanden…

  3. X-Wing meint:

    “Die Annihilanten unter den Nationen” Das hat er gut und zutreffend gesagt, da fallen mir gleich wieder gesprengte Buddhastatuen in Afghanistan und brennende und geschändete Kirchen in vielen islamischen Ländern ein. Zerstörung anderer Kulturen scheint ein Merkmal des Islam zu sein. Es ist sicher auch kein Zufall dass das englische Wort für Meuchelmörder - Assassin - von der moslemischen Mördersekte der Assassinen abgeleitet wurde.

  4. Georg meint:

    …nicht zu vergessen die Abschreibleistung in den mittelalterlichen Klöstern, ohne die die Originale aus byzantinischen Bibliotheken auch nicht weitergelebt hätten.
    Aber die Rolle der Mönchskultur in der europäischen Geistesgeschichte zu würdigen - dazu wird sich heute kein Intellektueller herablassen.

  5. Dietrich von Bern meint:

    Getrieben von fanatisch religiöser und feindseliger Einstellung gegenüber den kulturellen und geistigen Errungenschaften der von ihnen unterworfenen Völker, zerstörten die frühen Anhänger des Islam u.a. die größten Literatursammlungen der Antike.

    Der für den Islam typische Fanatismus zeigte sich vor allem am Beispiel der berühmten, 700.000 Bände umfassenden Bibliothek von Alexandria. Sie war zwar schon einmal -aus rein militärischen Gründen- von Cäsar angezündet worden.

    Ihre vollständige Vernichtung besorgten schließlich die Moslems, als sie unter dem Kalifen Omar Alexandria einnahmen. Amr, ein Heerführer Omars, der die Bibliothek auf Bitten des berühmten Philosophen “Johannes der Grammatiker” (der bei ihm offensichtlich in hoher Gunst stand) verschonen wollte, sprach bei Omar vor und intervenierte zu Gunsten des Philosophen.

    Omar, der Kalif, soll geantwortet haben, dass die Bücher, wenn sie die gleiche Lehre wie der Koran enthielten, nichts wert seien, und da der Koran alles enthalte, was ein solches Werk enthalten muss, sollten sie zerstört werden; und so ordnete er die Verbrennung der Bücher an, was immer sie zum Inhalt hatten.

    Aufgrund seines Befehles wurden die Bücher auf die öffentlichen Badehäuser der Stadt verteilt, in denen man damit für sechs Monate lang die Feuerstätten heizte.

    Der wahre Charakter des Islam offenbart sich in seinem Hass und seiner Verachtung gegenüber allem, was bildende Kunst, Musik und Architektur an Ästhetischem und Wohlklingendem erschaffen, was Geistes- und Naturwissenschaften zu Wissen und Erkenntnis der Menschheit beigetragen haben und vermitteln.

  6. Daniel M. aus B. meint:

    @Dietrich von Bern
    “Omar, der Kalif, soll geantwortet haben, dass die Bücher, wenn sie die gleiche Lehre wie der Koran enthielten, nichts wert seien, und da der Koran alles enthalte, was ein solches Werk enthalten muss, sollten sie zerstört werden; und so ordnete er die Verbrennung der Bücher an, was immer sie zum Inhalt hatten.”

    Ein Mythos, der anscheinend von den Moslems selbst in die Welt gesetzt wurde:
    http://www.nybooks.com/articles/3517

    Und was sagst du zu der Rolle der Christen im Zusammenhang mit der Bibliothek im Serapeum?

  7. ToursundPoitiers meint:

    Bis heute behaupten islamophile Personen, darunter viele Historiker, daß islamische Gelehrte die Weisheit der alten Griechen tradiert haben und so die Entwicklung der abendländischen Kultur wesentlich positiv beeinflußt hätten. In dreister Weise wird sogar behauptet, ohne den Islam wäre das Christentum ärmer. Das stimmt in keiner Weise. In der Tat war griechisch-hellenistisches, aber auch indisches naturwissenschaftliches Wissen im islamischen Bereich hoch geschätzt. Das sog. “Haus der Weisheit”, 830 von dem Kalifen Al Ma’mun in Bagdad gegründet, war eine Mischung aus Akademie und Bibliothek, in erster Linie aber ein berühmtes Übersetzerbüro. In der Hauptsache waren es hier Christen, die altgriechische Mediziner, Astrnomen und Mathematiker ins Arabische übersetzten. Die Christen entstammten den östlichen Konfessionen der Jakobiten, Melchiten und vor allem der Nestorianer. Ihre Kultursprache war das Syrisch-Aramäische oder Ost-Aramäische. Kein Moslem lernte Griechisch, es war schließlich eine Sprache ungläubiger Heiden. Muslime hatten schon deswegen kein Interesse an anderen Sprachen, weil sie laut Koran das beste Volk sind, das für die Menschen je erstand (Sure 3,110). Ein bekannter Übersetzer war der christliche Gelehrte Hunayn ibn Ishaq (808-873).
    Das Wissen der Antike, von “Ungläubigen” oder Konvertiten übersetzt, wurde dann allerdings im islamischen Raum bereitwillig angenommen und brachte berühmte Gelehrte wie Jabir ibn Hayyan (721-815),den Begründer der arabischen Alchimie und Chemie hervor, den Universalgelehrten al-Biruni (973-1048), den Astronomen al-Battani (858-929) und andere. Es ist aber nicht wahr, daß diese Übersetzungen ins Arabische das klassische antike Erbe retteten. Dieses überlebte vielmehr weitgehend intakt unter den byzantinischen orthodoxen Christen. Der in Deutschland erfundene Buchdruck im 15. Jahrhundert kam gerade rechtzeitig, um das Wissen der Antike vor der Eroberung Konstantinopels 1453 durch türkisch-muslimische Heere zu retten. Bekanntlich wurde Konstantinopel so gründlich zerstört, daß so gut wie alles zerstört wurde,was an kulturellen Werten in der Stadt war.
    Übrigens: Trotz der reichen Übernahme antiken Wissens kam die Entwicklung der Naturwissenschaften in der islamischen Welt nach dem 14 Jahrhundert weitgehend zum Stillstand, ganz im Gegensatz zum christlichen Europa. An diesem Stillstand hat sich bis heute nichts geändert, es gibt beispielsweise so gut wie keinen Nobelpreisträger mit islamischem Hintergrund, alle wichtigen Entdeckungen und wissenschaftlich-technischen Innovationen der Neuzeit wurden außerhalb des Islam gemacht. Die islamische Kultur scheint für kreatives Denken und Forschen völlig steril zu sein, sie ist darauf angewiesen, Beute bei anderen Kulturen zu machen, kann diese dann irgendwann aber nicht mehr weiterentwickeln. Bemerkenswert ist auch die Bildubgsferne vieler moslemischer Mitbürger heute. Das einzige, was im Islam reichlich vorhanden zu sein scheint, sind Gewalt und Stolz.

  8. Dietrich von Bern meint:

    Daniel M. aus B. meint:
    24.01.2010 um 13:41

    Die Story um Amr mag ja vielleicht Mythos sein, die Zerstörung der Bibliothek und die Vernichtung der Bücher durch den Kalifen Omar ist jedoch Fakt und historisch belegt.

    Allerdings wurden kleine Teile der Bibliothek vor Eroberung Alexandrias durch den Islam nach Konstantinopel verbracht. Kurz vor dem Fall auch dieser Stadt 1453 flüchteten Gelehrte noch mit einigen Manuskripten in den Westen.

    Die Zerstörung des Serapeums von Alexandria mit der Zerstörung der Bibliothek in Zusammenhang zu bringen oder etwa vergleichen zu wollen, halte ich nicht für zulässig, da die Umstände ganz andere waren (Innere Unruhen)!

    Hinzu kommt, dass die erobernden Araber nicht nur in Alexandria, sondern generell so vorgegangen sind, denn Geschichte beginnt bei den Muslimen bekanntlich mit dem Jahr 632, der “Auswanderung” (in Wirklichkeit schmähliche Flucht) des selbsternannten Propheten von Mekka nach Jathrib, dem heutigen Medina.

  9. Dietrich von Bern meint:

    @ ToursundPoitiers meint:
    24.01.2010 um 17:58

    Der Historiker Sylvain Gouguenheim hat zu diesem Thema ein interessantes Buch geschrieben: “Aristote au Mont Saint-Michel”

    Die herrschende Lehre –verbreitet von den MSM und den Euranischen und Eurabischen Eliten und Steigbügelhaltern des Islam -fasst Gouguenheim in zwei Thesen zusammen:

    “Der Islam habe das Wesentliche des griechischen Wissens übernommen, dann an die Europäer weitergegeben, und sei damit Auslöser für den kulturellen und wissenschaftliche Aufbruch im Mittelalter gewesen.” Und: “Europäisches Denken, europäische Kultur und Kunst seien zumindest teilweise von der islamischen Zivilisation der Abbassiden geschaffen worden.”

    So würden, so Gouguenheim, “die griechischen Wurzeln und die christliche Identität der westlichen Welt” in Frage gestellt. .

    Gouguenheim führt aus: „In Wahrheit sei es ganz anders gewesen. Einerseits unterschätze man “das ungebrochene Interesse am antiken Griechenland” schon in den ersten Jahrhunderten des lateinischen Mittelalters; man verschweige, dass Griechenland teilweise im byzantinischen Reich weiterlebte, dass Manuskripte und Gelehrte zwischen Byzanz und dem Okzident unterwegs waren; man unterschlage die mittelalterlichen Übersetzungen direkt aus dem Griechischen ins Lateinische- darunter das Werk von Jacques de Venise, dem, so Gouguenheim, in der Abtei auf dem Mont Saint-Michel tätigen “,missing link’ in der Vermittlungsgeschichte der aristotelischen Philosophie von der griechischen in die lateinische Welt”.

    Andererseits hätten “die muslimischen Araber nie Griechisch gelernt”, die Übersetzungen seien das Werk arabischer Christen und der Rezeption griechischen Wissens durch den Islam sei immer der Filter des Korans vorgeschaltet gewesen. So sei die Hellenisierung der arabischen Welt oberflächlich geblieben. Die Geschichte des christlichen Europas im Mittelalter wäre “identisch verlaufen”, wenn es gar keine Verbindung mit der islamischen Welt gegeben hätte.

    Sylvain Gouguenheim weist in seinem Buch nach, dass dem Islam (!) nichts Wesentliches zu verdanken ist. In der islamischen Welt wohnen allerdings vom Autor sehr geschätzte Übersetzer, er bemerkt jedoch dazu, dass es sich bei diesen nicht um Muslime, sondern um Christen handelt.

    Die These eines “Islams der Aufklärung” widerlegend, zeigt Sylvain Gouguenheim, daß das antike griechische Wissen niemals aus Europa verschwunden ist, und daß die Araber, die diese Texte übersetzten, keine Muslime waren; das “Dunkle Zeitalter” passe nicht als Bezeichnung für das europäische Mittelalter. Wenn der Islam antikes Wissen in den Westen gebracht habe, dann vor allem dadurch, dass er diejenigen ins Exil getrieben habe, die sich weigerten, sich ihm zu unterwerfen.

    Die Hellenisierung der islamischen Welt sei äußerst selektiv von statten gegangen, die Literatur, die Tragödie und die griechische Philosophie seien kaum aufgenommen worden durch die islamische Kultur. Die Logik und die Naturwissenschaften des Aristoteles hätten keinen Eingang in den Islam gefunden. Weder Die Metaphysik noch Die Politik sind ins Arabische übersetzt worden. Von der Hellenisierung der islamischen Zivilisation zu reden, hieße, ihr Ethnozentrismus zu oktroyieren, eine Art Verwestlichung, die nicht den Tatsachen entspreche, meint der Rezensent Stéphane Boiron im Pariser Figaro.

    So ist es. Griechenland repräsentiert für den Islam eine fremde Welt, wer das bezweifelt, der schaue nur, wie sich heute salafistische Islamfunktionäre , wie Tariq Ramadan, winden, wenn es darum geht, Errungenschaften des Westens zu übernehmen. Die unumstößliche Lehre des Koran, der Hadithen und der Scharia stehen dem entgegen, dass sich die islamische Gesellschaft auf eine Modernisierung im westlichen Sinne einlässt. Es hat sich seit 1400 Jahren nichts daran geändert!

    Frau Dr. Eussner schreibt dazu treffend:
    “Der Islam ist eine Ideologie, die von ihren Gläubigen Unterwerfung unter Allah und den von diesem herab gesandten und für alle Zeiten Wort für Wort gültigen Koran fordert. Nach heute weitverbreiteter Lehre sollen ab seiner Erfindung und gewaltsamen Verbreitung durch Mohammed in einer Umgebung religiöser Toleranz arabische Muslime in Philosophie, Medizin und den Naturwissenschaften geglänzt und ihr Wissen den in Dunkelheit befangenen Christen gebracht haben.

    Woher aber sollen die vielen arabisch-muslimischen Gelehrten kommen, die zum Ruhme des Islams tätig werden, warum nehmen sie nicht teil an der von ihnen im 13. und 14. Jahrhundert angeblich in Gang gesetzten europäischen Renaissance, und warum gibt es heute trotz Milliarden Petrodollar keine von Muslimen geschaffene Blüte der Philosophie und der Wissenschaften und keine nennenswerte Buchproduktion, von fehlender religiöser Toleranz nicht zu reden, sondern werden stattdessen mehrere zig Milliarden Dollar des Gewinns aus dem Verkauf des Erdöls in die Verbreitung der totalitären Politideologie Islam gesteckt?”

  10. kewil meint:

    Sylvain Gouguenheim hat zu diesem Thema ein interessantes Buch

    http://fact-fiction.net/?p=653

  11. Jung-Bunki meint:

    Ja, das ist alles höchst interessant. Der Islam ist insofern Übermittler der hellenistischen Philosophie, als er die Anhänger dieser Philosophie, die sich nicht dem (dazu völlig konträren) Islam unterwerfen wollten, in den Westen vertrieb! Tja, so kann man’s auch sehen.

    Leute wie Sylvain Gouguenheim leisten klasse Arbeit. Anscheinend soll Europa seine Existenz auf Teufel komm raus dem Islam verdanken. Teil der Erpressungsstrategie seitens der arab. Länder seit den 1960er Jahren.

  12. Ulf (Arabisch Übersetzer) meint:

    @Daniel M. daran kann man erkennen, das Mythen meistens Mythen bleiben.

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