Nossa Senhora do Monte 1

15.08.2008

Kaiser Karl - Monte

Wie bereits im Bilderraetsel unten manche richtig “erraten” haben, handelt es sich um die Kirche Nossa Senhora do Monte oberhalb von Funchal, wo der letzte oesterreichische Kaiser, Karl I. (mehr Lesenswertes dazu hier), 1922 im Exil starb. Er hatte nach dem Ersten Weltkrieg erst Asyl in der Schweiz genommen und von dort aus zweimal versucht, wieder an die Macht zu gelangen. Auch Oestereich war ja der Frieden diktiert worden, kein Oestereicher wurde nach irgendetwas gefragt.

So hielten ihn die Briten fuer einen Unruhestifter und transportierten ihn ungefragt nach Madeira. Zunaechst konnte der Kaiser noch ein bisschen standesgemaess wohnen, dann wurde er bestohlen und aus dem Hotel hinausgeworfen. Ein Bankier stellte ihm eine Quinta zur Verfuegung. Heizungen gibt es auch heute noch in Madeira nicht. Im Winter kann es aber auch mal kaelter werden. Jedenfalls zog sich der Kaiser eine Lungenentzuendung zu und um Geld zu sparen, wurde nicht einmal sofort ein Arzt gerufen. So starb Kaiser Karl I. mit 35 Jahren. Eine beispielhafte Geschichte ueber die Fluechtigkeit des Gluecks und die Vergaenglichkeit des Ruhms!

Sein Sohn, der bekannte Otto von Habsburg, welcher der naechste oesterreichische Kaiser geworden waere, hat immer wieder mit einer eigenen Meinung in der europaeischen Politik mitgemischt und dreingeredet. Er ist 95 Jahre alt und ein Zeitzeuge ersten Grades. Er lebte selbst lange auf Madeira und will den Sarkophag (Foto) seines Vaters aus Dankbarkeit auf der Insel lassen und nicht in die Kapuzinergruft in Wien verbringen lassen! Sic transit gloria mundi!

4 Antworten zu “Nossa Senhora do Monte 1”

  1. INFO68 meint:

    Ich hatte vor 1 Stunde bei dem Rätsel gedacht: Ob es der österreichische Kaiser ist auf dieser portug. Insel?

    Hatte mal davon gelesen in der Siegerist(Die Deustchen Konservativen)-Zeitschrift “Deutschlandmagazin”. MFG

  2. kewil meint:

    Also mir geht das nicht aus dem Kopf, Jungs und Maedels. Stellt euch vor Schlagzeile: 35-Jaehriger stirbt an Lungenentzuendung, AOK hat nicht gezahlt. Ein Aufschrei geht durch das Prekariat, durch das von Armut gezeichnete Deutschland, durch die Linkspartei bis zu dem Merkel. Und wer ist gestorben? Der letzte oesterreichische Kaiser aus Geldmangel! Ich muss das daheim nachlesen! Genauer! Ich will das wissen!

  3. Bohemund meint:

    Nur zu, Kewil! Die Persönlichkeit und das Schicksal des letzten Kaisers verdienen es, von der Nachwelt zur Kenntnis genommen zu werden.

    Ich habe mich vor Jahren, lange vor seiner Seligsprechung, mit Karl I. bzw. IV. beschäftigt und bin immer noch erschüttert ob des Schicksals dieses edlen, wahrhaft königlichen Charakters inmitten eines Ozeans an menschlicher Primitivität, Proletentum und Bosheit.

    Schließlich ist das Schicksal Karls I. auch das unsere: wir hätten einen Monarchen dieses menschlichen Formats haben können samt eines halbwegs manierlichen Gemeinwesens und nun haben wir all diese Verheugens, Pariser Gartenzwerge, Andreas Diletanti und Bundesempörungswarzen (von den roten wie braunen Proletenführern von dunnemals ganz zu schweigen) und ein Staat, der der Augustinus´schen Räuberhöhle ziemlich nahekommt (das genaue Zitat liefere ich noch nach).

    Mein guter Schwiegergroßvater spräche da von einer Strafe, die Gott über die ebenso verblödeten wie bösartiggewordenen Völker Europas verhängt hat. Vor nicht ganz so langer Zeit hätte ich über derartige Urteile noch gelacht, doch angesichts der heillosen Zustände auf diesem unglücklichen Kontinent vergeht einem das dünkelhafte Grinsen.

  4. Bohemund meint:

    Ach ja, noch eine kleine Bitte - verehrter Kewil, falls es Ihnen möglich ist, seien Sie doch bitte so gut und legen Sie stellvertretend für einen Ihrer Stammkommentatoren eine weiße Rose an/auf das Grab Kaiser Karls.

    Und wenn Sie mögen, zünden Sie dort auch eine Kerze an (Gebete wären zwar auch angebracht, aber ich will Sie nicht überstrapazieren).

    Vielen Dank!

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